Mit Bardo an der Oder Mai 2004



Texteil:

Wir singen falsch, da kann er machen was er will... Und wem das noch nicht reicht, der bekommt jetzt noch eine Kurzbeschreibung meiner letzten Tour mit Bardo.
Begonnen hat es am Telefon und dann am 18. Mai nochmal in Dresden und Berlin. Getroffen habe wir uns in Frankfurt an der Oder. Nachdem wir die brüllende Grenze übertreten hatten konnten wir uns mit Handzeichen kurzerhand über die weitere Zielsetzung verständigen. Kantor, P98, Sklep und weg hier. Wir fuhren auf den Wiesen der Oder stromaufwärts. Die späte Nachmittagssonne lieferte ideale Bedingungen zum Wohlfühlen. Auch die Karren hatten, glaub ich, ihren Spaß. Ohne Murren tuckerten sie durch die weiten Wiesen bis wir, schon im halbdunkel, unter einer Eiche unser Lager aufschlugen. Dazu hatte ich eine Baumarktplane mitgebracht, eine Alu- Isomatte, und 500 g Schlafsack. Vorher freuten wir uns aber noch an dem Büffelschnaps aus dem Sklep und ich an der Mocne (Rauchen) und da war es auch schon dunkel und es gab kein Holz. Während Bardo die kleinen Sachen, die er aus dem Rasen gepult hatte, in Rauch aufgehen ließ, verließ ich noch mit dem Kraftfahrzeug den heimlichen Herd um in dem entlegenen Forst nach Holz zu fahren. Mit Licht sieht man weniger als ohne, und so ließ sich eine frisch geschlagene Kiefer und einiger Kleinkram bald zusammenbinden und durch das hohe Gras zum Bardo schleifen. Was es letztlich aber gebracht hat waren einige tote Äste die wir aus den großen Eichen brachen. Drum musste Bardo auch in völliger Finsternis in die Wipfel klettern um dort die Spanngurte zu befestigen. Eine kleine Säge hätte uns genützt.
Jetzt aber schnell die Hühnerbeine raus, die noch hart gefroren den Schnaps gekühlt hatten. Jetzt wurden sie gespiesst und ewig gewärmt, bis sie endlich doch roh den knurrenden Magen füllten. Die Nacht sollte trocken werden und so mussten wir die Plane nicht spannen, krochen nach diesem schönen Abend in die Schlafsäcke.
Am nächsten morgen gab's frischen Wind und strahlenden Sonnenschein. Es war kalt. Wir tranken etwas Wasser, assen etwas Ser (Käse) mit Brot und nach packen und in Ruhe quatschen, photographieren und rauchen kamen wir am frühen Vormittag  zum Kick. Wir sackten ziemlich weit ein in die Sitzhbank, die Pfoten wollen sich nicht so gern um den Gasgriff biegen lassen- sind halt nicht mehr viel gewohnt- Kerle! Wir finden nach einigen Kilometern stromauf eine risiege Kieshalde. Ich ziehe am Gas, aber es passiert nicht viel. Der 60% ige MT21 soll mit mehr Gefühl angesprochen werden und das fällt mit an diesem Morgen schwer. Die schwer zu dosierende Power der KTM trägt einenTeil zum Stress für Mensch und Maschine bei. Ich komme in diesem Gelände einfach nicht zurecht, fahre mich fest oder kippe einmal bergab um.Viel hilft nicht viel, jedenfalls nicht in Sachen Leistung. Art und Dauer der Dosierung muss auch noch besser ausprobiert werden. Als wir endlich aus dem Haufen fortkommen bemerkt Bardo seinen verölten Hinterreifen. Die Schrauben von dem gurkigen Ott- Seitendeckel haben sich wieder gelöst. Nein es war kein Loch drin. Er hat auch ein bisschen Öl mit und so können wir den Verlust gleich ausgleichen. Wie immer finden sich einige Männer vor dem Sklep um unsere Motorräder zusammen und stellen die gleiche Frage wie schon damals als wir mit den Tesis wanderten. Wie schnell- skolko? Und gewettet auf ein Bier wird um die Frage, ob wir in dinsda nach rechts oder nach links fahren. Die Dörfer an der Oder sind richtig schön gelegen, total verträumt-mann kann nur langsam hindurch fahren. Fährt man zu schnell bringt man dort die Ruhe aus der Ruhe...
Als endlich die Oder nach Osten abbiegt kommen wir zu einer Fähre, warten eine Stunde und kümmern uns noch mal um die Schrauben, die sich immer wieder lösen. Es tropft schon- ich bewundere Bardos Gelassenheit. Während dieser Stunde gesellt sich noch ein Auto auf die Fähre. Immerhin wartet auf der anderen Seite auch eins. Hier ist keiner. Auf den Wiesen haben wir uns ja schon gewundert- kein Fahrrad mit Angler, keine ächzende Jawa mit Angler, kein Fußgänger oder Jäger, nichtmal ein Boot!
Die Neisse gibt uns nicht viel, fliesst eher wie ein Kanal dahin. Wir fahren landeinwärts in eine Kiefernheide und halten uns an einem breiten Tal nach Südost. Wir streben die verschiedenen Wege oder trailen nach dem Kompass durch den Wald bis wir auf einen geeigneten Weg treffen. Nur knapp entgehen wir einem Desaster weil der Ölstab an der XT nicht fest geschraubt war und sich, eisern wie er ist, eine lange, staubige Driftpassage in seinem Loch rumschnuppelte und nicht heraus fiel. In Forst verließen wir Polen, fuhren noch durch eine deutsche Heide ("Waldweg gesperrt") gesäumt von Müllabladungen bis Bad Muskau. Nach einem Kaffee trennten sich die Wege. Ich hatte noch 2.45h bis Vortsellungsbeginn und Bardo 220 km bis Berlin  mit tropfendem Motor.  Er hat noch einen halben Liter durchgebracht.
Tape. Martin


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Fotos: Fuji Finepix 602Z