Kleiner Grenzverkehr, Text von mir und Bardo, Fotos: Peter und Bardo

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Wir trafen uns im Tharandter Wald. Markus und Peter von der Insel Ruegen, Bardo aus Berlin und ich, Martin, aus Dresden. Unser Ziel war die Tschechische Republik.
Diese galt es Offroad zu erreichen und die Grenze ebenso zu ueberqueren.
Also frisch angekickt, das heisst gekickt wurde bestenfalls aus Solidaritaet zu Bardo mit seiner alten XT 600.--->
--> Weil es so herrliches Wetter in diesem Oktober war, hatten wir die leichten Sachen an, derer wir uns auf verschiedene Weise bemaechtigt hatten.
Zu meinem Erstaunen wurde erstmal einhelliges Lob ausgestossen meine erste Crosshose betreffend. Man sei von mir ganz Anderes gewohnt. Wie recht sie hatten sollte sich kurze
Zeit spaeter zeigen. Eine Hose also, blau mit roten Yamaha Hosentraegern- ein typischer „Schubert“ die Teile.--->
--> Zuerst gurkten wir mehr schlecht als recht durch den Tharandter Wald.
Hier faehrt es sich echt bescheiden, herrscht hier doch eine sehr garstige Forstwirtschaft vor. Als wir endlich in offenes Gelaende kommen, wird gleich ordentlich am Gas gezuppelt. Die Motoren jubilieren
und schon setzt Peter Masstaebe beim schonsamen ueberqueren von Weidezaeunen. Waehrend wir die Mofetten in eine geeignete Position bringen
um einen Fuss auf den zuckenden, geifernden Draht stellen zu koennen, faehrt Peter ungefragt auf dem Hinterrad darueber. Natuerlich ist der Draht noch heil und wir muessen trotz dieser genialen Vorlage doch unsere noch starren Glieder auf den 1m hohen Spielverderber hiefen. Spaeter spielen wir uns gut mit dieser
Softie- Variante ein, denn es gibt hier viele!
Jetzt kommen wir endlich in eine bewaldetes Thal mit Fluss unten drin. Hier
beschert Mutter Natur uns
die ersten langen Steilauffahrten.
Das bringt meine Freunde aus dem
Flachland zum Jubilieren. Es ist naemlich das erste Mal fuer sie hier imBergland. Die Motoren werden hin und wieder von Lustschreien uebertoent.

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Spaetestens als wir eine Gruppe Jaeger, die auf einer Anhoehe die naechsten Untaten fuer Samstag Vormittag planen, streifen, ist es an der Zeit, die Kennzeichen mit waidgerechtem Zierrat zu verschoenen. Wir treffen
folgerichtig auf sehr gesperrte Wege, welche die Talsperre Klingenberg umgeben. Hier ist Trinkwasser-Schutzgebiet, die Wege nur fuer authorisierte Fahrzeuge. Aus gegebenem Anlass queren wir sie auch nur und befinden uns bald am Strand. Pfleglich geleitet er uns nach Sueden, wo wir auf die andere Seite wechseln. Unsere Art der Hindernisbewaeltigung ruft bei Spazierenden Kopfschuetteln hervor.

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So will ich mich auch denn auch gerade wieder an einem aelteren Ehepaar unerkannt vorbeimogeln, als es den hinter mir fahrenden Peter angesichts der steilen Flanken des Tales nicht mehr auf dem Weg haelt und er laut roehrend zwischen den Tannen den Berg hinaufpfluegt. Marcus hatte wohl
auch schon mit dem Gedanken gespielt und folgte ihm auf dem Fusse. Auch Martin musste mit. So stehe ich denn und beobachte zusammen mit den Spaziergaengern vom Weg aus, wie die drei Roesser laermend und stiebend oben zwischen den Baeumen verschwinden. Unseren Naturliebhabern indess kam nicht ein Wort ueber die Lippen (...und das in Sachsen). Wenn sie wenigstens grimmig geguckt haetten!--->


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Hier war unsere 1.Flussdurchfahrt. Ich erinnerte mich an einen Weg, der aber an einer ganz anderen Talsperre war. Dafuer gruessten wir jenseits der Staumauer eine Baustelle, flussaufwaerts. Auch hier keine
Ablehnung unseres Tuns! Der Fluss
meandrierte im Sonnenschein durch sehr unwegsame Wiesen, auf der anderen Seite sah es nach einem Pfad aus. Da ahnt man nichts Gutes und schon ist Bardo drin, wobei jeder sehen konnte, dass man hier nicht durch den Fluss fahren kann. Es wird sich schon was ergeben, denken wir und kreuzen dem Yamaha- Nacken zwei Flussbiegungen hinterher. Klarer denn je ist hier der erste im Vorteil. Nur er kann den Grund des Wassers erspaehen, die vielen spitzen Klamotten und Tiefen ausspionieren, bevor sein Reifen das Wasser
aufwuehlt. Flueche mischen sich unter sich das Geplaetscher. Als wir nach der zweiten Biegung den Ausstieg finden, schallt durch den Nebel der dampfenden Motoren ein zustimmendes: "Seid Ihr bescheuert?" Wir folgen dem Fluss auf der Westseite nach Sueden und haben im Tal schoene, steile Sachen.

Weiter oben ist der Wald von vielen Graeben bzw. Baechen durchzogen und auch sonst laesst er sich nicht lumpen, ist mit Hindernissen nur so gespickt. Der Raumgewinn kommt hier zu buchstaeblich kurz wie auch die Kuehlung der beiden 520'er. Zeitgleich verhelfen sie uns zu einer Pause an einer hakeligen Bachueberfahrt.... weil sie kochten! ("Der Kaffee ist
fertig!")

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Wir tranken erst aus unseren Flaschen und, nachdem der sich von den Stollen erholt hatte, den Bach.
Muntere weisse Woelkchen wawern durch das Holz.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns ziemlich nahe der Tschechischen Grenze im Toepferwald. Nur noch 6km Luftlinie hoeren allerdings die Wasserkocher unter uns jetzt nicht gern. Ein Weg muss her!

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Wir kreuzen eine Strasse bei Holzhau und wieder geht es steil hinunter von diesen ca. 700m.
Die Wege druecken sich merklich um ihre ureigenste Funktion, uns voran zu bringen, voran Richtung Grenze.
Das ist mitunter eine sicheres Zeichen fuer ihre Naehe. Hier ist es wirklich sehr leer, keine Wanderer und Siedlungen mehr.
Wir kraxeln das die Wege sich verpupen und auf einem Pfad treffen wir parallel zur Grenze verlaufende Graeben, welche den Enduristen an seine Pflicht als Buerger erinnern sollen, diese Graeben zu durchqueren um endlich an das Bier und die Haxen und die Knoedel zu kommen. Der letzte macht uns etwas zu schaffen, denn in ihm floss es und matschte es- man haette hier alleine sein Tun gehabt- mit vier Haenden aber kein Problem. Was sind diese 520'er aber auch leicht!


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Schuechtern tuckern wir ueber die Grenzwiese aber es kommt kein Wald mehr hier. Kein Baum, kein Strauch nur uriges Grasland darueber ein unbarmherziger Wind weht. Das Erbe des Sauren Regens ist die Prairie...die haette als Vorlage fuer den grossen Westernspinner Karl May herhalten koennen. Damals war hier jedoch dunkler Tann. Die Augen suchen einen Halt in dieser Einoede, denn ausser einer Ruine ist kein Ziel hier nah. Wir haben Hunger und fahren froestelnd und noch unsicher nordoestlich ueber die Wiesen nach Moldava wo wir auf einer zugigen Terrasse essen. Wir trauen uns mit den versuefften Klamotten nicht in die gemuetliche Gaststube.--->








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--> Jetzt haben wir 90 km auf dem Tacho, ausser Peter dessen Computer den Geist aufgab, und wir raetseln wegen Tankstellen. Durchgekuehlt und mit vollem Magen heizen wir nach Suedwest Richtung Bienmuehle. Die 20 km sind noch locker drin, dann koennte es langsam enge werden bei einem Verbrauch von gut 6 Litern.
An einem schoenen Steilhang im Grenzgebiet geben sich
die Gurken die Kupplung in die Hand. Zuerst steigt Peter vornueber ab, nachdem er nach bezwungenem Steihang in einen Graben faellt. Markus macht auch irgendwas huebsches und ich muss mein Moped verlassen denn es schiesst mir zu garstig in die Hoehe und ich rolle zurueck in den Graben aus dem ich gerade kam. Krebbers Einsatz hinter Szene kann ich nicht beurteilen- muss aber spektakulaer gewesen sein, etwas wie "Ueberschlag Hangabwaerts". Kurzum kam hier binnen 10 Minuten jeder auf
seine Kosten und das Zigeunerschnitzel wurde mit dem ewig vielen Gemuese vermengt. Einzig Bardos verbogener, weil neuer, Lenker zeugt die verbleibenden Jahre bis zum E- Moped davon.

Die Tanke hatte geschlossen.(...hat man sowas schon!) Peter und Markus wollen trotz akuten Spritmangels weiter Offroad fahren. Die 520'er haben die kleinsten Tanks in der Runde, verbrauchen aber etwas weniger als meine LC4, wenigstens bei dieser flotten Gangart in ihrem ureigensten Element.
Unangefochten im Verbrauch ist die XT von Bardo. Er bleibt sicher unter 6 Liter und faehrt mit dem Moped als wuerde er den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben. Er kennt jede Staerke und Schwaeche von seinem Motorrad und das zahlt sich aus! (Danke fuer das viele Lob!!)

Der Weg zurueck fuehrt durch eine ganz andere Art Erzgebirge. Hier gibt es langgestreckte Felder auf sanft gerundeten Hoehen. Manchmal ist auch Wiese. Dabei ist der Untergrund so glatt, dass es zum sitzen auf der Karre geradezu zwingend einlaedt!
Auch die sonst so beliebten langen Wellen, die jenseits der achtzig die Achsen in die Federn tauchen lassen, fehlen hier
vollstaendig. Ein bischen wie Fliegen.


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Auf den letzten Kilometern
durch den Wald zwischen Frauenstein und Dipps
wird uns noch eine ganze Wasserdurchfahrt beschert. Sprit ist teuer und
wir muessen da jetzt durch. Zum Glueck sind wir hier ganz ungestoert. Aber
die grosse Forelle, die hier herumschlawienert, verpetzt bestimmt den Peter,
weil er so Farben auf dem Wasser macht...

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Mit dem letzten Tropfen landen wir in Dipps, haben ca. 140 km auf dem Tacho- war das eine geile Tour!
Es ist auch schon fast dunkel und so fahren wir Strasse bis zum Bus am Rand des Tharandter Waldes.
Die drei entfernten Motorraeder werden eingeladen und wir fahren zu mir nach Dresden. Peter braet unzaehlige Bratwuerste, Krebber hat sich beim Bier verschaetzt, wir essen, quatschen, trinken und sind gluecklich!
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...und morgen ist Sonntag. Da geht es wieder raus!


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Ich trage ein Hemd aus dem A&V, es ist aus Nylon, so eine Funktionskleidung.
Es muss wohl gewoehnungsbeduerftig aussehen... Aber man kann auch etwas fuer die Umwelt tun!



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Technische Daten:

Verlust: 2 hintere Blinker KTM, Ständerfeder XT
Verschleiss:            Lenker XT
Hingefallen:            8 mal
Verbrannt:              ca. 32l Super/Normal
Strecke:                150km
Gurken:                 Wasserkochen KTM 520, Kupplung schwehrgängig XT

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