Herbstenduro 07

Zurück zu Larven


Natürlich ist es schön, sich auf den nächsten Frühjahrsevent zu freuen, aber allein das reicht auch nicht so richtig. Jedenfalls Peter nicht und mir auch nicht. Und so trafen wir uns zu zweit, diesmal im mittleren Mecklenburg.

Peter hatte ja nun schon letztes Jahr den Untersatz gewechselt. Die damals so dramatisch erstandene 450er tut auch weiterhin Dienst unter seinen unsanften Fittichen. Mir war es jedoch eingefallen, die langjährig erprobte und einmalig leichte, die legendäre und erstaunlich fitte, aber dennoch konzeptionell alte XT gegen einen kleinen Hüpfer der nächsten Generation einzutauschen. Eine DR 350 US. Ein zugegebenermaßen nicht eben nagelneues Bike, aber spürbar sportlicher, angefangen vom Gewicht, über die Federelemente bis zur kantholzartigen Sitzbank. Die XT habe ich indes nach Polen verkauft. Ich glaube sie wird sich dort wohl fühlen. Treffen war Abends. Peter hatte einen Planenwagen von seiner Firma bekommen, sein Mo in eine Ecke gestellt, zwei Matratzen und zwei Liegestühle aus dem Garten dazu... und fertig war das Wohnmobil. Selbst als wir meine Suzi noch daneben stellen, ist Platz für alle und alles. Ein wirklich stattlicher Lieferwagen ist das. Das nächste Mal könnten wir eine Tischtennisplatte installieren. In der Nacht ist ein bisschen Frost angesagt. Der Nebel ist schon ganz schön dicht. So sitzen wir in den Liegestühlen und haben uns ein gepflegtes Weinchen geöffnet und die Wämser in die Schlafsäcke gestopft. Gut soweit.

Der Nächste Morgen ist das härteste der ganzen Tour. Ich bringe es ja fertig, von Morgens bis Abends über Stock und Stein zu fahren, aber bei minus 1 aus dem Schlafsack raus, umziehen und losfahren, das ist nix für's Gemüt, da kann man eigentlich nur ganz schnell ins Holz abbiegen und sich und die Gerätschaften warm fahren. Das gelingt auch kolossal. Es ist sehr bald eine Wiese gefunden, mit einer Hand breit Wasser drauf und danach schöne Wälder mit schlickigen Bächen. Heideland ist zur Abwechslung auch gern gesehen, wenn auch auf die Dauer ein wenig langweilig. Der Weg führt von Krakow um den See nach Süden Richtung Kölpinsee. Dann daran entlang bis nach Waren. Dort ist Tanken angesagt und danach Pizza essen. Es ist schönstes Herbstwetter und etliche Biker mittleren Alters sind mit sehr schweren Motorrädern unterwegs. Bei unseren Enduros ist jedoch "Downsizing" angesagt. Peter musste beim Wechsel auf die 450er ja kaum Leistungsverluste hinnehmen. Diese Wasserkocher gehen ja bekanntlich wie die Pest. Die Suzi hat auch nicht weniger Leistung als meine alte XT, was aber nicht für die Suzi spricht, sondern lediglich den erbärmlichen Motorzustand der XT wiedergibt. Nun hänge ich am Gas, wenn ich Peter folgen will. Nur im Kleinen, feinen Gelände, zwischen den Hölzchen und Stämmchen, bei den Gräben und den Zuckerrüben, da arbeiten wir in der gleichen Klasse. Da ist ja auch eigentlich das, was ich wollte, weiteres wird sich zeigen.

Von Zuhause bekomme ich einen Anruf, der meine Zeit hier in der Heide um einiges verkürzen wird. Wesentliche Teile der Familie sind krank und ich werde heute Abend wieder nach Hause fahren. Na ja, aber bis dahin lassen wir es noch ein wenig krachen. Wir stauben von Waren nordostwärts ins Bauernland. Es hat lange nicht geregnet, so das die Felder sich leicht und locker queren lassen, wenn nicht gerade Zuckerrüben darauf wachsen. Ansonsten sind auch Bruchwälder mit von der Partie und die eine oder Andere Durchfahrt durch die Ostpeene. Außerdem ist das Gelände schön hügelig mit Aussichtspunkten für den Schöngeist.

Als sich der Tag dem Ende zuneigt, kommen wir langsam von hinten wieder in Richtung Krakow. Weil wir Luftlinie fahren, kommen wir irgendwann über eine Wiese und enden an einem Moor. Ein richtiges Moor ist das, mit richtigem Torfmoos und wenn man daran wackelt, kann man die gesamte Fläche zum Schwingen bringen. Das sieht man auch hier nicht alle Tage. Durchkommen ist allerdings nicht. Als wir zurück auf die Wiese kommen, kurvt dort ein schwerer Geländewagen herum. Als wir auftauchen, Gibt der Gas und hält voll auf uns zu. Wir weichen vorsichtshalber erstmal aus, aber damit ist nicht das erreicht, was sich der Fahrer vorstellt. Hier geht es scheinbar um nichts weniger als um den totalen Schutz der Natur vor den bösen Enduros! Die hundertachtzig Pferdestärken unter der Haube röhren über die Wiese und wo gewendet wird, da lassen die 300er Breitreifen kein Gras zurück. Er will uns kriegen und zwar tot oder lebendig! So werden wir über die Wiese hin und her gejagt. Mal folgt der Mob Peter und mal mir. Irgendwann nimmt Peter dann den Ausgang und hüpft über einen kleinen Schlammgraben, durch den der Weg führt. Der Mob hinterher! Es kracht gigantisch, denn der Mob nimmt auch hier kaum Gas weg. Ab jetzt ist klar, es muss sich um einen Dienstwagen handeln und dieser Mensch macht eine Dienstfahrt!!! Ist unsere Ergreifung etwa auch eine dienstliche Angelegenheit??? Ich folge vorsichtig. Als ich auf die Strasse komme, kommt der Dienstmob gerade von der erfolglosen Jagd auf Peter zurück. Er stellt sich halb quer und zeigt mir die beeindruckende Geschwindigkeit, mit der sich Vorwärts- oder Rückwärtsgang einlegen lassen, falls ich versuchen sollte, an ihm vorbei zu kommen. Irgendwie hat die Situation eine gewisse Komik. Sollte es in Meck- Pom solche verbissenen Menschen geben? Oder ist das hier reine Pflichterfüllung, Dienst am Bürger von Meck- Pom gewissermaßen, dem es ein wichtiges Anliegen ist, die Wälder endlich von den zahl- und gesetzlosen Motorradfahrern zu reinigen? In der vorliegenden Situation nehme ich doch lieber die andere Richtung. Der Dienstmob folgt mit voll aufgedrehtem Motor. Da die Endgeschwindigkeit von so einem Ungetüm ja durchaus ziemlich hoch liegen kann und man ja nie weiß, wozu die amtlichen Motorradjäger so autorisiert sind, bringe ich mich mit einem Sprung auf den Acker in Sicherheit und fahre einen sehr großen Bogen außer Sichtweite, um ihn loszuwerden. Dann fahre ich wieder auf die Strasse und suche mir einen Parkplatz und versuche Peter anzurufen. Da kommt der Dienstmob schon wieder die Strasse lang! Jetzt ist es höchste Zeit, aus der Matrix auszusteigen. Ich sprinte in die nächste Telefonzelle, den Dienstmob im Nacken. Beim Wählen höre ich ihn keuchend näher kommen. Er reißt die Tür auf ...

Zu schön wäre es gewesen, seinen Gesichtsausdruck zu sehen, als ich plötzlich verschwunden war. Mir aber hat die Begegnung eine gehörige Wunde in die herbstliche Harmonie gerissen. Die Landschaft hatte sich in Schale geschmissen mit herbstlicher Sonne und etwas Dunst, mit gelbroten Bäumen, trockenen Äckern, glitschigen Auwäldern und klaren Bächen. Wir waren weitgehend allein an diesem Tag, wie eigentlich fast immer, wenn wir unterwegs sind. Offensichtlich haben wir trotzdem mit unserer Anwesenheit in die Seelen der kleinen Bewahrer des Paradieses gepinkelt – so sehr, das einige bereit sind, ganze Wiesen zu opfern, um sich unserer endlich zu entledigen.


B.

AbfahrtKrakow.JPGAbladenKrakow.JPGBruecke.JPGBrueckebeimsturm.JPGBrueckeGelaenderzuhoch.JPGDRimGruen.JPGFruehstckHumpel.JPGGelaenderzuhoch.JPGHumpelgantherLager.JPGMittagMalchow.JPGMittagMalchow_1_1.JPGPause.JPGPause_1_1.JPGPauseanderA19.JPGPausenberg.JPGSektionBergsee1.JPGSektionBergsee2.JPGSektionBergsee5.JPGSektionDriftweg2.JPGSektionDriftweg3.JPGSektionDriftweg6.JPGTunnelPruefung.JPGTunnelPruefung3.JPG